Wie es begann

Heimatmuseum Undenheim

In der Sackgasse in Undenheim befindet sich ein schönes Gebäude, altehrwürdig und liebevoll restauriert.

Darin finden sich zwei Gewölbekuhställe, die einzigen in Rheinhessen, die sich nicht in Privatbesitz befinden, sondern der öffentlichen Hand gehören. Zum Gebäude gehören ein großzügiger Eingangsbereich, eine Küche und ein Büro im ersten Stock, sowie ein großer Raum im zweiten Stock. Genutzt wird dieses Gebäude als Ortsmuseum, seit einigen Jahren auch als Standesamt und für kulturelle Veranstaltungen

Wie es geschah, dass die Gemeinde ein solches Kleinod besitzt:

Anno 1945, Capitain de Meglio, Kommandant der französischen Besatzung, ordnete an, dass die Gemeinde ein Brausebad für Soldaten und Bevölkerung zu bauen hätte.

In der alten Schule in der Tränkgasse konnte Bürgermeister Reinhold Sittel I diese Anordnung mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer umsetzen. Es fand sich im Obergeschoss der Schule ein kleiner Raum, der für Schulzwecke nicht benötigt wurde. Jedoch für den ersten Schritt zu einem kleinen Heimatmuseum war er sehr wohl geeignet.

Kreuzgewölbe nach der Sanierung

Gemeinsam mit der Lehrerschaft trug Bürgermeister Sittel die ersten Exponate zusammen. Er erfüllte damit auch einen Wunsch Dr. Dieter Curschmanns, damals noch in Kriegsgefangenschaft. Dr. Curschmann betätigte sich damals als Heimatforscher und gab später das für Undenheim so wichtige Geschichtswerk „Undenheim – Geschichte eines rheinhessischen Dorfes“ heraus.

Eines der ersten Exponate bildete eine umfangreiche Sammlung von Töpferwaren gestiftet von Familie Anton Frank aus eigener Werkstatt. Viele landwirtschaftliche Kleingeräte kamen dazu, sodass der Grundstock zur werdenden Sammlung gelegt war. Das kleine Museum wurde hauptsächlich von der Schule genutzt. Die Öffentlichkeit nahm bislang wenig Notiz. 1969/70 wurde eine neue Schule gebaut und die alte in der Tränkgasse wurde an Privatleute veräußert. Die noch vorhandenen Exponate mussten in die Feuerwehrhalle umziehen. Eine Grenzstein-, Dämonenstein- und Wappensteinsammlung zusammengetragen von Dr. Curschmann kam derweil hinzu.

In dieser Zeit erwarb Bürgermeister Phillip Schwamb eine Hofreite in der Staatsrat-Schwamb-Straße Nr.14. Das Anwesen wurde geteilt und das Wohngebäude veräußert. Die renovierungsbedürftige Scheune blieb in Gemeindebesitz.

Inzwischen war Herr Reinhold Sittel II Bürgermeister, in seiner Amtszeit entstand der Plan, die alte Scheune zu renovieren und sie zum neuen Undenheimer Heimatmuseum zu machen.

Blick in den Hof des Heimatmuseums

In den folgenden Jahren wurden die Außenhaut der Scheune, das Dach und die eingebrochene Kreuzgewölbedecke des Kuhstalls wiederhergestellt. Als die Gesamtfinanzierung stand, wurde Architekt R. Buchert mit dem Ausbau des gesamten Gebäudes beauftragt. Ende 1988 konnte die Gemeinde initiiert von Hern Bürgermeister Sittel in einer Eilentscheidung die direkt angrenzende Scheune von Haus Nr. 16 erwerben. Noch vor Wintereinbruch wurde das Dach neu gedeckt und ein Durchbruch zur Nachbarscheune hergestellt.

Nach der Fertigstellung des Gebäudes wurde der Heimat-und Kulturverein Undenheim gegründet, zu dessen Aufgaben neben der Brauchtumspflege auch der Betrieb des Heimatmuseums gehört. 1990 wurde Dr. Dieter Curschmann für seine großen Verdienste um die Erforschung der Undenheimer Geschichte und der Herausgabe seines Lebenswerkes „Undenheim – die Geschichte eines rheinhessischen Dorfes“ zum Ehrenbürger ernannt.

Im Festjahr zum 1250-jährigen Jubiläum Undenheims wurde die Ausstellung intensiv überarbeitet und erweitert. Auch das Gebäude an sich erfuhr eine Erweiterung, indem im hinteren Gebäudeteil der ehemaligen Scheune im oberen Stockwerk ein Raum ausgebaut wurde. Es entstand die sogenannte Bauernstube, die mit mannigfaltigen alten Gegenständen des täglichen Gebrauchs ausgestattet ist, die das Leben in der Vergangenheit lebhaft widerspiegeln. Die meisten Exponate sind großzügige Schenkungen von Undenheimer Bürgern und beleben die Ausstellung umso mehr, als dass man nachvollziehen kann, welchen noch lebenden oder bereits verstorbenen Undenheimer Bürgern sie einmal gehört haben. Somit bekam die aktuelle Ausstellung einen sehr persönlichen Charakter, der bei älteren Besuchern Erinnerungen und bei den jüngeren Besuchern reges Interesse an den eigenen Wurzeln hervorbrachte.

Das Undenheimer Heimatmuseum war und ist ein Ort gelebter Geschichte und erfreut sich nach wir vor regen Interesses.

Quelle: Auszüge aus einem Text von Altbürgermeister Reinhold Sittel II (mittlerweile ebenfalls Ehrenbürger Undenheims)